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Podiumsdiskussion
am Samstag, 15. Mai 2010, Hotel Laurin


09:00 Fachvorträge & Workshops

11:30 Podiumsdiskussion: "Entwicklungen und Chancen im Textilhandwerk"

  • Mario Napolitano (I), Präsident Weltverband der Maßschneider
  • Komm. Rat. Annemarie Mölzer (A), Bundesinnungsmeisterin
  • Hans Luginbühl (CH), Präsident Centralverband Schweizerischer Schneidermeister
  • Erika Ortkemper (D), Vorsitzende des Bundesverbandes der Maßschneider;
  • Nelleke Rimmelzwaan (NL), Vorsitzende des "Bond van Kleermakers"
  • Dr. Wolfgang Alber (Südtirol), Sprecher der Gruppe "Textilien und Bekleidung"im Unternehmerverband Südtirol
  • Richard Vill (Südtirol), Obmann der Berufs gemeinschaft der Maßschneider und Kleidermacher im Landesverband der Handwerker Südtirol (LVH)


    Bericht über die Podiumsdiskussion:


    "Unsere tollen Produkte besser ausschlachten"

    Das Bild des fleißigen Maßschneiders, der den ganzen Tag an der Nähmaschine sitzt und arbeitet, aber seine vollendeten Werke in seinem Atelier fast versteckt, muss der Vergangenheit angehören: "Wir müssen unsere tollen Produkte besser ausschlachten", so der Appell der Vertreter der mitteleuropäischen Maßschneiderverbände an die eigene Zunft. In einer Podiumsdiskussion am Samstag, 15. Mai 2010 im Hotel "Laurin" im Rahmen des Europäischen Maßschneiderkongresses erörterten sie die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Zukunft des Maßschneiderhandwerks.


    Podiumsdiskussion über die Textilbranche im Hotel "Laurin", v. l. Erika Ortkemper (Vorsitzende des deutschen Bundesverbandes der Maßschneider, Annemarie Mölzer (Bundesinnungsmeisterin Österreich), Mario Napolitano, Präsident Weltverband der Maßschneider, Moderatorin Margareth Bernard, Richard Vill (Obmann der Berufsgemeinschaft der Maßschneider und Kleidermacher im LVH, Wolfgang Alber (Sprecher der Gruppe "Textilien und Bekleidung" im Unternehmerverband Südtirol), Nelleke Rimmelzwaan ( Vorsitzende des "Bond van Kleermakers", Niederlande) und Hans Luginbühl (Präsident Centralverband Schweizerischer Schneidermeister)

    Rückgang bei den Aufträgen, Billigproduktion im Osten Europas und Asien, aber auch Nachwuchssorgen in den eigenen Reihen: Mit ähnlichen Sorgen müssen sich die Maßschneider in den Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Südtirol/Italien herumschlagen. Trotzdem gibt es Unterschiede: Während besonders die niederländischen und deutschen Maßschneider unter starken Einbußen aufgrund der Billigproduktion aus China und der Türkei leiden, ist die Situation in Österreich und der Schweiz rosiger.

    Für den Obmann der Südtiroler Maßschneider im LVH, Richard Vill, hängt die Krise auch vom individuellen Einsatz jedes einzelnen Maßschneiders ab. "Wer gut arbeitet, kommt auch gut voran", so Vill. Jeder Textilhandwerker müsse sich seinen eigenen Nischenmarkt suchen und dort selbst zu einer Marke werden: "Gefragt sind vor allem ein klares Profil, eine klare Positionierung und ein klares Produkt."

    Auch für die Industrie ist die aktuelle Situation kein Zuckerschlecken. "Seit etwa zehn Jahren wird die Produktion nach Osteuropa verlagert, lokale Textilunternehmen müssen schließen", stellte Wolfgang Alber, Sprecher der Gruppe "Textilien und Bekleidung" im Unternehmerverband fest. Seine Rezepte gegen einen weiteren Aderlass sind die Ausbildung, Forschung und Entwicklung und der Schutz des geistigen Eigentums. "Auch die Zusammenarbeit zwischen Textilhandwerk und -industrie muss verstärkt werden, denn beide haben ähnliche Notwendigkeiten und ähnliche Marktgesetze."

    Der Präsident des Weltverbandes der Maßschneider, Mario Napolitano, bemängelte vor allem den fehlenden Nachwuchs. "In der Vergangenheit wurde der Fehler gemacht, zu wenig Schneider auszubilden, es fehlen uns nun die jungen Handwerker mit frischen, innovativen Ideen."

    Für die Zukunft forderte die Vorsitzende des deutschen Bundesverbandes Erika Ortkemper die Maßschneider auf, sich künftig zwei Standbeine zu schaffen, und zwar neben der Maßschneiderei auch die Maßkonfektion, "auch wenn das viele Maßschneider sicher nicht gerne hören". Eine besondere Schwäche der Maßschneider sei vor allem ihre Introvertiertheit, so die österreichische Bundesinnungsmeisterin Annemarie Mölzer. "Wir warten meistens ab, bis jemand unsere Arbeiten in unserem Atelier fast zufällig entdeckt. Dabei müssten wir präsenter sein und unser tolles Medium besser an die Medien und die Kunden verkaufen."